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J. Haydn: Die Schöpfung


Rheingauer Kantorei für ihre "Schöpfung" begeistert gefeiert
Zwei Mal volles Haus bei Konzerten im Dom und der Johannisberger Schlosskirche
Rheingau-Echo, 20.05.2009

Geisenheim. (hhs) — Vor 200 Jahren starb Josef Haydn – der runde Todestag ist Anlaß für viele Aufführungen seiner Werke. Eine seiner populärsten Kompositionen ist die "Schöpfung". Sie steht in diesem Jahr auf dem Programm vieler ambitionierter Chöre und Festivals. Auch die Neue Rheingauer Kantorei hat sich des Oratoriums angenommen.

Am Samstag führte sie die "Schöpfung" im Rheingauer Dom, am Sonntag in der Schlosskirche von Johannisberg auf. Beide Male waren die Konzerte sehr gut besucht, beide Male wurden die Aufführenden mit stehendem Applaus gefeiert. Die Anerkennung gebührte dabei dem starken Auftritt der Neuen Rheingauer Kantorei, aber nicht minder den drei herausragenden Solisten Elisabeth Scholl (Sopran), Daniel Sans (Tenor) und Andreas Pruys (Baß). Das begleitende Orchester "Ensemble Glob’Arte" spielte souverän und bildete Basis und perfektes Bindeglied zwischen Chor und Solisten zugleich.

Die Vertonung der Erschaffung der Welt gehört zu den bekanntesten Werken der klassischen Musik, ihre eingängige und bildhafte musikalische Sprache machte sie weltweit populär. So saßen im Publikum etliche Besucher, die die "Schöpfung" schon selbst einmal gesungen hatten – manche hatten sogar die Partitur dabei. Ganz so weit ging Marie Therese Loch zwar nicht, die die Schöpfung "schon vor 50 Jahren" gesungen hatte, doch auch sie hatte ihre Freude an der Aufführung.

Die große Beliebtheit der Komposition führte auch bei der Neuen Rheingauer Kantorei dazu, daß sich rund 15 neue Sängerinnen und Sänger dem Chor angeschlossen hatten. Mehr als 70 waren es schließlich, die das Oratorium aufführten.

Jederzeit präsent
Tatsächlich hatte der Chor vergleichsweise wenig zu singen. Doch wenn es galt, konnte sich der künstlerische Leiter Tassilo Schlenther auf seine stets präsente Kantorei verlassen. Dank des zurückhaltend agierenden Orchesters kam der Chor gut zur Geltung.

Einen überragenden Eindruck hinterließen die drei Solisten. Allen voran lieferte Elisabeth Scholl eine grandiose Leistung. Ihre Freude am Gesang war förmlich zu greifen, scheinbar ohne jede Anstrengung sang die gebürtige Kiedricherin ihre Passagen. Ihr zuzusehen und zuzuhören war ein Genuß.

Die beiden männlichen Solisten brauchten sich ebenfalls nicht zu verstecken. Dabei ist der glockenklar singende Tenor Daniel Sans im Rheingau längst kein Unbekannter mehr – schon vor zehn Jahren bereicherte der mittlerweile 34jährige Tenor Konzerte des damaligen evangelischen Kirchenchors, aus dem im Jahr 2002 die "Neue Rheingauer Kantorei" hervorgehen sollte.

Andreas Pruys hingegen war bis zum Konzert noch relativ unbekannt in der Region. Das dürfte sich nun sehr schnell ändern – wenn der in Hamburg lebende und beim Chor des Norddeutschen Rundfunks fest engagierte Sänger denn will. Im Rheingau jedenfalls gewann Pruys, der auch ausgebildeter Kirchenmusiker ist, am Wochenende viele neue Freunde.

Waren die drei Solisten alleine schon überzeugend, wurden die Duette und Terzette zu einem Ohrenschmaus, nur noch gekrönt von jenen Passagen, in denen der Chor mit aktiv war. Mehr als einmal mußten die Zuhörer den Zwang unterdrücken, ihrer Begeisterung mit Zwischenapplaus Luft zu verschaffen. So löste sich die Spannung erst nach knapp zwei Stunden, als im Schlußchor "Singet dem Herren, alle Stimmen" tatsächlich alle Stimmen gemeinsam das Gotteslob sangen. Hier kam endlich auch die Altistin Elizabeth Neiman zum Einsatz, die ansonsten im Vorfeld mit stimmbildnerischen Übungen geholfen hatte, die Neue Rheingauer Kantorei auf die Konzerte einzustimmen.

Erstmals stellte sich am Wochenende auch der neu gegründete "Freundeskreis der Neuen Rheingauer Kantorei" einer breiten Öffentlichkeit vor. Der Verein will Projekte der Kantorei finanziell absichern und Öffentlichkeitsarbeit betreiben - ein Unterfangen, was bei der Premiere schon sehr erfolgreich war.