Die spannende, originelle und außergewöhnliche Musik des böhmischen Barockkomponisten Jan Dismas Zelenka (1679 - 1745) bildete den Schwerpunkt der Orchesterkonzerte der Kantorei im September 2011. Als Sohn eines Organisten im böhmischen Launowitz geboren, erhielt Jan Dismas Zelenka seine erste Ausbildung im Kolleg der Jesuiten in Prag. 1710 wurde er als Violonist (Kontrabassist) am sächsischen Hof in Dresden angestellt. Bald schon schickte man ihn zum Studium bei dem berühmten Kontrapunktlehrer Johann Joseph Fux nach Wien. Erst 1735 wurde er zum "Kirchen-Compositeur" ernannt, und nur kurze Zeit verbrachte er außerhalb Dresdens. Seine Bedeutung als Komponist beruht sowohl auf seinen zahlreichen Werken für den Gottesdienst (darunter allein 21 Messvertonungen), aber auch auf seiner leider nicht sehr umfangreichen Instrumentalmusik.
Zelenka vereint in seinem Musikstil moderne Elemente der galanten Musik, die am Dresdner Hof sehr geschätzt wurde, mit hoher Kunst des Kontrapunkts und einem ausgesprochenen eigenen, hochexpressiven Ausdruck. Er schreibt immer äußerst virtuos, überrascht die Hörer ständig mit unerwarteten Wendungen und fast schon bizarren Einfällen. Die Aufführung seiner abendfüllenden "Missa votiva" durch die Neue Rheingaue Kantorei bewies: Es muss bei geistlicher Barockmusik nicht immer Bach oder Händel sein!